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Das unkomplizierte Leihauto für Wien

Vielleicht sind euch schon die vielen, vielen blau-weißen Smart aufgefallen, die seit einigen Tagen in ganz Wien herumstehen. Sie sind der Kern eines neuen Carsharing- und Mobilitätskonzeptes namens car2go, das unserer Meinung durchaus geeignet ist, vielen Stadtmenschen das eigene Auto zu ersetzen.

Denn car2go-Mitglieder können einfach per Magnetkarte in einen der insgesamt 500(!) in Wien geparkten Smarts einsteigen, damit herumfahren und ihn an (nahezu) beliebiger Stelle innerhalb Wiens wieder abstellen. Bezahlen muss man lediglich die Zeit, die man das Fahrzeug nutzt (derzeit 29 Cent pro Minute). Klingt nicht billig, ist es aber bei genauer Betrachtung dennoch: inkludiert sind nämlich Benzin und alle Kurzparkgebühren(!) innerhalb Wiens. Die Smarts sind mit Navi, Klimaanlage, ABS & ESP, Radio usw. ausgerüstet. Weiters sind die Fahrzeuge mit einem Selbstbehalt von € 500.- vollkaskoversichert und haben eine Autobahnvignette.

Aber der Reihe nach:

Die Zugangsvoraussetzungen sind erfreulich gering: man muss mindestens 19 Jahre alt und mindestens ein Jahr lang Führerscheinbesitzer sein, um car2go nutzen zu dürfen. Nach Registrierung auf der Website muss man sich einmal im car2go-Shop im 3. Bezirk einfinden, wo der Führerschein kontrolliert wird. Danach erhält man gegen eine Einmalzahlung von €9,90 eine Mitgliedskarte, mit der man die Smarts aufsperren und nutzen kann. Weitere Fixkosten fallen keine an.

Wenn man nun ein Auto braucht, kann man einerseits zu einem freien Smart hingehen und diesen per Magnetkarte aufsperren und losfahren. Oder man reserviert ein Auto – per Website oder Handy-App kann man nachschauen, wo in der Nähe gerade ein freies Fahrzeug steht und dieses vorreservieren. Innerhalb von 15 Minuten muss man allerdings beim Auto sein, denn Stornierung oder Nichtantritt einer Buchung kosten zusätzliche € 4.-

Schon bei der Buchung des Autos bekommt man den Tankfüllstand und den Zustand des Innenraums angezeigt. Betankt werden die Autos von einem Serviceteam, darum muss man sich also üblicherweise nicht kümmern.

Parken darf man überall in Wien. Netterweise ist die unlimitierte Nutzung der Wiener Kurzparkzonen im Fahrpreis inkludiert. Wenn man das Auto wieder zurückgeben möchte, parkt man es innerhalb des sogenannten Geschäftsgebiets auf einem erlaubten Parkplatz (also nicht im Halteverbot, am Gehsteig oder in einer kostenpflichtigen Garage). Sobald man das Auto versperrt und sich per Magnetkarte abgemeldet hat, endet die Mietzeit. Wenn man nur einen Zwischenstopp einlegen möchte, etwa zum Einkaufen, dann meldet man sich nicht per Magnetkarte ab, sondern versperrt das Auto einfach. Dadurch bleibt der Smart reserviert und kostet für die Abstellzeit nur 9 Cent pro Minute.

Die Idee ist gut und das System durchdacht – wir haben uns jedenfalls registriert, werden das System ausführlich testen und in loser Folge hier am Weblog darüber berichten. Stay tuned!

Foto: car2go

Autor: Ernst Michalek

Ausgebildeter KFZ-Techniker, Internetspezialist, geprüfter Fahrschullehrer. Fährt & repariert alte Autos. Fährt Tretroller. Liebt Benzingeruch und Autorennen. Auch online auf www.egm.at

2 Kommentare

  1. Interessant wäre für das Testen, ob die Fahrzeugdichte wirklich so hoch ist, dass man es innerhalb dieser Viertelstunde auch tatsächlich zu einem der Autos schaffen kann. Sonst könnte das zu einer ziemlichen Rennerei ausarten, wenn man ein bisschen abgelegen wohnt. Gesund ist das vielleicht, aber braucht man so eine Challenge im Alltag? 😉
    (Sind Smarts nicht wahnsinnig kompliziert in Gang zu setzen, wenn man das System nicht kennt? Man erzählt sich da ja gar abschreckende Geschichten. Ich hatte persönlich noch nie das Vergnügen.)

  2. Ich teste seit einer Woche die zugehörige Android-App – innerhalb des Geschäftsgebiets war es noch nie weiter als 300 Meter zum nächsten freien Auto. Auch das wird eine Frage im Praxistest sein: derzeit gibts genug freie Autos weil es noch nicht viele Nutzer gibt. Wie wird das ausschauen, wenn sich erst einmal einige hundert User registriert haben? Ich werde berichten…

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