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Crashtest zum Fürchten

Moderne KFZ bieten im Vergleich zu früher eine recht hohe Sicherheit bei einem Crash. Viele Unfälle, bei denen noch in den 70er-Jahren niemand mehr lebend aus dem Auto geschnitten worden wäre, enden zwar fürs Auto auch mit einem Totalschaden, die Insassen kommen aber mit ein paar Kratzern davon. Das ist ein Verdienst der speziellen Konstruktion heutiger Fahrzeuge: Knautschzonen, die sich definiert verformen und dadurch die gewaltige Energie eines Unfalles abbauen, aber eine hochfeste Fahrgastzelle, die sich bei einem Unfall nicht oder nur sehr wenig verformt. Die perfekte Ausführung dieses Konzepts erfordert viel Wissen, umfangreiche Berechnungen auf Hochleistungsrechnern schon bevor die ersten Prototypen gebaut werden und den Einsatz von teils teuren Materialien und unterschiedlichen Materialstärken für Knautschzone und Fahrgastzelle. Weiters sind hunderte reale Crashtests für die Entwicklung nötig, die ebenfalls kostspielig sind und das fertige Fahrzeug natürlich ebenfalls teurer machen. Bei einem gut berechneten und konstruierten Fahrzeug sieht ein Crashtest mit 64 km/h gegen eine feste Barriere etwa so aus – besonders bitte auf den Bereich ab der Fahrertüre nach hinten achten, der sich hier so gut wie nicht verformt:

Wenn nun ein Billighersteller bei der Grundkonstruktion schlampt, so knautscht bei einem Unfall nicht nur die dafür vorgesehene Knautschzone, sondern gleich das ganze Fahrzeug. Einige Beispiele gefällig?

Hier etwa ein Crashtest in Russland, in dem ein chinesischer Importwagen getestet werden sollte und dafür mit 64 km/h gegen eine Wand gefahren wurde. Solch ein katastrophales Crash-Ergebnis hat man zuletzt tatsächlich bei Fahrzeugen aus den 60ern des vergangenen Jahrhunderts gesehen:

Der ADAC kam bei den Tests nach Euro NCAP zu einem ähnlich gruseligem Ergebnis. Getestet wurde im Jahr 2005 der Jiangling Landwind, ein (offensichtlich miserabler) Nachbau des Opel Frontera:

Knapp zwei Jahre später der Brilliance BS6, ein Auto in der Größe eines VW Passat:

Selbst in einem VW Käfer oder einem Golf II (von denen die jüngsten Exemplare heuer 17 Jahre alt werden!) ist man bei einem Crash besser aufgehoben:

Verblüffend in diesem Zusammenhang ist die strukturelle Festigkeit eines Smart Fortwo. In diesem Video wird der Smart (unbemannt und ferngesteuert) mit 70 Meilen pro Stunde (das sind 112 km/h!!!!) gegen eine Betonwand gefahren. Unfassbar: das Auto bleibt in einem Stück, es lassen sich nach dem Crash sogar ohne Werkzeug die Türen öffnen!

Autor: Ernst Michalek

Ausgebildeter KFZ-Techniker, Internetspezialist, geprüfter Fahrschullehrer. Fährt & repariert alte Autos. Fährt Tretroller. Liebt Benzingeruch und Autorennen. Auch online auf www.egm.at

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